Dienstag, 9. Dezember 2014

Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Jochen Althoff – Frühgriechische Vorstellungen von der Kosmogonie: Hesiod und die Vorsokratiker

Ein Beitrag von Dominic Bärsch.
 
Den dritten Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung "Anfang und Ende. Vormoderne Szenarien von Weltentstehung und Weltuntergang" hielt Herr Prof. Dr. Jochen Althoff. Als Gräzist thematisierte er die Vorstellungen der Kosmogonie bei Hesiod und den Vorsokratikern.
 

Aus dem Chaos folgt die Ordnung

 
Zu Beginn seiner Ausführungen beschäftigte er sich mit der Theogonie Hesiods, einer der ältesten überlieferten griechischen Dichtungen des Abendlandes. Thema des Gedichts ist nicht nur die Entstehung der Götter, wie es der Name impliziert, sondern auch die der differenzierten Welt aus dem Chaos. Althoff betonte dabei, dass der Begriff des Chaos möglicherweise in Anlehnung an die Vorstellung eines gewaltigen Welttieres zu verstehen sei, das aus dem aufklaffenden Mund (griech. chaskein – aufklaffen) den Kosmos hervorbringt. Im Laufe des Gedichtes entsteht im Wechsel von asexueller und sexueller Fortpflanzung eine zunehmende Strukturierung der Welt: Innerhalb dieser Kosmogonie als Genealogie werden Himmel, Berge, Flüsse und andere Bestandteile des Alls hervorgebracht. Bemerkenswert sei bei dieser Schilderung auch, dass diese Kosmogonie aus der Perspektive des Dichters heraus gestaltet wird, was sich etwa daran zeigt, dass die personifizierten Widrigkeiten des Lebens, wie Hass und Streit, schon vor dem Menschen entstehen.
 

Die Milesier

 
In Abgrenzung zu dem mythischen Paradigma Hesiods postulierten die sogenannten Milesier – eine Gruppe vorsokratischer Philosophen in Milet, deren Werke uns heute nur noch durch Fragmente bekannt sind – bestimmte Urelemente und/oder -prinzipien, aus denen die differenzierte Welt entstanden ist und in die sie gegebenenfalls wieder zurückkehren wird. Thales von Milet (um 585 v. Chr.) soll das Wasser dabei als Ursubstanz hervorgehoben und dies mit dem Satz "Alles ist Wasser" zusammengefasst haben.
 
Anaximander (um 610-547 v. Chr.) hingegen nahm das "Unbegrenzte" (griech. to apeiron) als eine Art von Urmasse an, die verschiedene, gegeneinander wirkende Materien entstehen ließe. Nach einer bestimmten Zeit, in der die differenzierte Welt in Form einer Säulentrommel existiert, führe dieses gegensätzliche Wirken dann zu einem Vergehen des Alls zurück zur Urmasse. Ein bemerkenswerter Gedanke, der sich bei Anaximander zudem findet und prägend für die weitere abendländische Philosophie wird, ist, dass der gesamte Kosmos durch mathematische Formeln zu bestimmen sei.
 
Anaximenes (gest. um 528/25 v. Chr.) proklamiert als dritter Milesier wiederum ein konkretes Urelement, nämlich die Luft. Nach dieser Vorstellung, die wohl auf meteorologische Beobachtungen zurückgeht, ist jedes andere Element eine verdünnte oder verdichtete Variante der Luft. So bestünde etwa Feuer aus besonders dünner, Stein wiederum aus sehr dichter Luft.
 

Empedokles und Demokrit

 
Als zwei weitere Vorsokratiker, die nicht aus Milet stammten, jedoch ebenfalls nur fragmentarisch überliefert sind, stellte Althoff abschließend Empedokles von Akragas (um 483-424 v. Chr.) und Demokrit von Abdera (um 460-380 v. Chr.) vor.
 
Empedokles stellte die These auf, dass die Welt aus vier "Wurzelwerken" (Feuer, Wasser, Luft und Erde) bestünde, welche wiederum die dauerhaften Bestandteile der Welt seien. Entstehen und Vergehen aller Dinge sei demnach nur ein Zusammensetzen beziehungsweise Auftrennen von Verbindungen aus diesen Bestandteilen. Dies geschehe unter dem Einfluss zweier Wirkkräfte, der "Liebe" (griech. philia) und des "Hasses" (griech. neikos).
 
Demokrits Vorstellung geht im Gegenzug von zwei Grundelementen aus, der Leere und den Atomen, also kleinsten, sich jedoch voneinander unterscheidenden Teilchen, aus denen alles zusammengesetzt ist. Methodisch schließt er von den sichtbaren Dingen auf die unsichtbaren: Durch Bewegung der Atome im leeren Raum entstehen Konglomerate aus zusammenpassenden Einzelbausteinen. Dementsprechend gebe es nicht nur eine, sondern zahllose Welten, in denen verschiedenste Möglichkeiten der Zusammensetzungen existieren.
 

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