Donnerstag, 13. Mai 2021

Vorstellung des Dissertationsprojekts von Nicky van de Beek „A Tomb with view. Representations of landscape in ancient Egyptian tombs from the old to the New Kingdom (ca. 2700–1050 BCE)“

 Ein Beitrag von Maral Schumann.

In der Plenumssitzung des GRK 1876 am 29.04.2021 präsentierte Nicky van de Beek ihr Promotionsprojekt „A Tomb with view. Representations of landscape in ancient Egyptian tombs from the old to the New Kingdom (ca. 2700–1050 BCE)”. Sie begann mit einer Definition für Landschaft unter Berücksichtigung der sichtbaren Merkmale eines Geländes, geophysikalischer Landformen, aber auch menschliche Konstruktionen, Flächennutzung bzw. natürliche Gegebenheiten mit kulturellen Prägungen sowie Unterschiede zwischen der damaligen und der heutigen Landschaft in Ägypten. Deiche, die von saisonal überschwemmten Auen gesäumt sind, veränderliche Landschaft wie jährliche Überschwemmung, neu vermessene Felder, veränderter Verlauf des Nils, Gründung neuer Städte, Geomorphologie, Städte und Dörfer auf Dämmen und ehemaligen Kanälen, wiederholendes Umstrukturieren und Anpassung der Bewässerungslandschaft, sind die Aspekte, die man bei der Betrachtung der damaligen ägyptischen Landschaft in Betracht ziehen soll.

Ab. 1: Ober- und Unterägypten in Texten

Nicky hat die Semantik, die den philologischen Aspekt betrifft, anhand von Beispielen wie dem Wort „Land“ bzw. „Black land (km.t)“ für das Land Ägypten und „Red land (dšr.t)“ für Wüste oder fremdes Land gedeutet. Zudem wurde innerhalb Ägyptens zwischen Ober- und Unterägypten unterschieden (Abb.1).

Klima und Klimaschwankungen in Ägypten wurden ebenfalls thematisiert und welche Einflüsse diese auf den Nilstand und die damit verbundenen Überschwemmungen oder Dürren hatten. Diese beschränkten oder beförderten den landwirtschaftlichen Kreislauf. Auch Tierarten wie Nilpferde, Krokodile, Addax, Oryx, Mendesantilopen oder Kuhantilopen, die teilweise bereits ausgestorben sind, werden als Teil der Landschaft betrachtet.

Ziel des Projekts von Nicky van de Beek ist die Beantwortung folgender Fragen: 

Wie sah die eigentliche Landschaft aus (geoarchäologisch, zooarchäologisch, archäobotanisch)? 

Wie wurde die Landschaft in Grabszenen dargestellt? 

Was sind die konzeptionellen Kategorien hinter diesen Darstellungen?

Für ihre Untersuchung verwendet sie hauptsächlich archäologische Quellen bzw. Grabdarstellungen. Neben einigen fragmentarisch erhaltenen Quelle, die auf Landschaftsdarstellungen hinweisen, gibt es auch zahlreiche vollständig erhaltene Grabszenen. Diese Grabszenen stellen Landschaften mit den dazugehörigen Elementen dar: Sie zeigen einerseits Flora und Fauna, anderseits präsentieren sie Aktivitäten, die in diesen Landschaften stattfanden, wie u. a. die Nilpferd-Jagd, Fischen mit dem Netz und Viehtransport (Abb. 2).  

Ab. 2: Beispiel für eine Grabszene mit Landschaftsaktivitäten.

Nicky van de Beek möchte neben solchen Grabszenen auch andere Quellen wie autobiografische Texte, Modelle und Stelen, die in Zusammenhang mit Landschaft stehen, analysieren. 

Um Kategorien zu definieren und Konzepte zu entwickeln, verwendet sie sowohl die Prototypen-Theorie als auch Semantik als Methode. 

Die häufig vorkommenden Kombinationen von Text und bildlichen Darstellungen unterstützen eine genauere Klassifizierung und Kategorisierung von Landschaftselementen bzw. Flora und Fauna. Wie vielfältig solche Darstellungen sein können, zeigte Nicky anhand von Beispielen von unterschiedlichen Kultivierungsgraden in verschiedenen Landschaftsdarstellungen. Die Landschaftsdarstellungen können eine wilde Jagd in der Wüste zeigen, aber auch ästhetisch eingerichtete Gärten (Abb.3).

Ab.3: Eine wilde Jagd in der Wüste (links), ein ästhetisch eingerichteter Garten (rechts).

Der Rolle der Grabbesitzer in Landschaftsdarstellungen in ägyptischen Gräbern sollte besondere Berücksichtigung finden. Jene wurden aktiv oder passiv dargestellt. In manchen Szenen sind sie sogar abwesend. Der Grabbesitzer in aktiver Rolle nimmt an Aktivitäten wie Jagd oder Fischfang teil, und sein Name ist in dem Textteil erwähnt. Bei passiv dargestellten Grabbesitzern oder bei im Bild abwesenden Grabbesitzern werden die Namen und sogar deren Mitbeteiligung an den Aktivitäten, die in solchen Landschaften stattfanden, erwähnt.

Unsere Kollegin Nicky van de Beek wird die Szenen mit verschiedenen Landschaftselementen in einer Datenbank erfassen. Es wird der Zusammenhang zwischen Bildern und Texten aufgezeichnet und mit Hilfe von zeitlicher und räumlicher Kartierung der Szenen sowie terminologischen Untersuchungen ein entsprechendes Netzwerk erstellt (Abb. 4). 

Ab.4: Idee eines semantischen Netzwerks

Als Beispiel hat sie das Wort „Marshland“ ausgewählt und von frühdynastischer Zeit bis zum neuen Reich konnte sie vier verschiedene Wörter bzw. Hieroglyphen dafür finden. Daneben dokumentierte sie auch unterschiedlich dargestellte Sumpfgebiete, die sich in Zeit und Region variieren.

Die Datenbank könnte auch als eine Art Enzyklopädie fungieren und könnte eventuell bei einer detaillierten und genaueren Identifizierung der verschiedenen Landschaftselemente,  z. B. unterschiedlicher Fischarten oder Vogelarten, helfen. Neben der Vielfalt der Flora und Fauna lassen sich aus solchen Landschaftsdarstellungen in Zusammenhang mit Texten weitere Informationen gewinnen, etwa über verschiedene Sport- und Freizeitaktivitäten, statussymbolische Funktion der Landschaftselemente, religiöse Funktion und Aktivitäten in diesem Zusammenhang, wirtschaftliches und soziales Interesse der Bevölkerung durch die Zeit und in verschiedenen ägyptischen Siedlungen und Gruppen.

Die Sitzung wurde mit einer lebhaften Diskussion über Interaktionen zwischen Menschen und Landschaft, die Verbindung zwischen unterschiedlichen Terminologien und näherer Bestimmung von Landschaftselementen sowie Funktion solcher Grabszenen beendet. 

 

Montag, 10. Mai 2021

Developing a network during a global pandemic: the ASOR case

A Blogpost by David Usieto Cabrera

Building and developing a network during a doctorate under regular conditions can be a difficult task for many, but doing it during a global pandemic doubles the obstacles. Online conferences have become one of the best options to continue presenting new research while giving researchers the opportunity to expand their network. 

Conferences have severely adapted into switching the attendance to online platforms after everything started go get cancelled. This has experienced incredible growth as it is an excellent alternative to face-to-face interaction for several reasons: flexibility of time and schedule, cost savings and technological advances. 

My doctoral research was intended to be presented at one of the most important annual conferences for ancient-world and classics scholars: the American School of Oriental Research (ASOR), to be held at Boston from 15 to 21 November 2020. 

Unfortunately, the spread of COVID-19 as well as consequent lockdown measures around the entire world made it impossible to hold a physical conference. In response to this, and following the example of many other academic conferences, it was decided to be hosted virtually. More than 430 presenters from at least 20 different countries shared their work in over 80 sessions and workshops. To overcome difficulties such as visa problems, travel restrictions or shortcuts in finance on institutes and researchers, a virtual conference via Zoom offered itself as a complete solution.


Figure 1: Zoom lecture at ASOR.

his opened up a great number of opportunities for scholars all over the world and especially for Early-Stage Researchers like me. To keep everyone connected and engaged with each other’s lectures, the organizers used a very effective tool: an 24/7 online chat that trespassed professional boundaries to connect scholars regardless of origin, time and place.

This online chat allowed us to engage even more with the conference, despite obvious initial limitations, such as the impossibility to give a live lecture but instead a pre-recorded one, or the time differences between the US, Europe, Asia and Australia. Researcher like me, who have had no previous contact with this sort of conferences before and had only a few contacts, had to start from scratch regarding technology and time management. It was a challenge to participate in a conference that was originally planned for 4 days but later programmed to last 2 weeks, divided in 4 full time days each week. A challenge, because time scheduling became tighter in terms of being committed for 2 weeks, and having to decide in the same day between 4 or 5 different rounds that were planned to occur simultaneously. 

Not only was this experience very fruitful professionally, but on a personal level as well, as it opened up the possibility of participation for those researchers who, for whatever reason, could not afford to travel the world to give a lecture. An obvious output of this sort of virtual Conference is the facilitation of participation in such a relevant overseas conference and the engagement of everyone involved at every moment. 

One question rises ever since we settled into this new life: Are these online conferences beneficial or good for us, the early career researchers? I absolutely agree on this, mainly due to the facilitation on everything related to Conference bureaucratic paperwork (travel tickets, organizing travel or worrying about visa issues) as it allows us to focus entirely on our lecture. Furthermore, technology has allowed us to be connected 24/7 and using it as a tool to create research networking is brilliant. Nowadays, it is possible to attend different Seminars, Conferences or lectures that are held in various places in the world (Sydney, Chicago, or Moscow) in the same day without moving away from your office. 


Figure 2: An image of my pre-recorded lecture.

Samstag, 1. Mai 2021

Workshop „Körper und Gesellschaft. Körpersymboliken als Spiegel antiker Gesellschaften“

Ein Beitrag von Judit Garzón Rodríguez.

Am 16. und 17. April 2017 fand der Workshop „Körper und Gesellschaft. Körpersymboliken als Spiegel antiker Gesellschaften“ in digitaler Form statt, den die KollegiatInnen des DFG-Graduiertenkollegs 1876 Jessica Knebel, Christoph Appel, Francisco José Gómez Blanco, Benny Waszk und Judit Garzón Rodríguez organisierten.

Ab. 1, Flyer des Workshops.

Die Idee zu dieser Veranstaltung entstand aus dem Wunsch, einen interdisziplinären Dialog zwischen Altertumswissenschaftlern über ein Thema zu etablieren, das sich in allen unseren Disziplinen wiederfindet. Die Verwendung des Körpers als Spiegel einer Gesellschaft ist eine zeit-, kultur- und gruppenübergreifende Gemeinsamkeit. Das Thema steht auch in engem Zusammenhang mit den Forschungslinien des GRKs 1876 im Hinblick auf die Wahrnehmung und Beschreibung der Umgangsmodi mit dem Körper sowie dessen Repräsentationen, immer unter dem Aspekt der Universalität und Spezifität von Konzepten. Der Workshop widmete sich daher diesen Ansatzpunkten, um die Verwendungen und sozialen Assoziationen, die dem Körper gegeben werden, aus der Perspektive der Interdisziplinarität zu untersuchen.

Zwei Tage lang trafen sich in diesem Rahmen der Interdisziplinarität Angehörige verschiedener Disziplinen der Antike von unterschiedlichen Universitäten in Deutschland, Spanien, Argentinien und England, um digital über den Körper als soziales Element zu diskutieren. Dank der Vortragenden, die sich freundlicherweise für diesen Dialog zwischen den Disziplinen zur Verfügung gestellt haben, wurde es möglich, während des Workshops einige der Bedeutungen analysieren, die dem Körper in der Vor- und Frühgeschichte, aber auch im Alten Orient und Ägypten zugeschrieben werden. 

Das Grußwort lag in den Händen von Herrn Althoff, Professor für Klassische Philologie/Gräzistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Sprecher unseres Graduiertenkollegs der zunächst das GRK selbst und seine Interdisziplinarität mit in verschiedenen Disziplinen verankerten Projekten vorstellte sowie die Bedeutung der Erforschung von Konzepten in der Antike hervorhob. In der inhaltlichen Einführung zum Workshop durch Judit Garzón Rodríguez wurden zunächst die Grundüberlegungen erläutert, die zur Planung der Veranstaltung geführt hatten: Interdisziplinäre Diskussionen lassen erkennen, dass der Körper als soziales Element in der Antike auf sehr unterschiedliche Weise verstanden und behandelt wurde. In einigen Fällen sind gemeinsame Linien zwischen verschiedenen Kulturen zu finden, in anderen jedoch wird der Körper auf sehr unterschiedliche Weise behandelt. Hauptziel des Workshops war daher die Herausarbeitung und Diskussion konkreter wissenschaftlicher Fragestellungen zu Körpersymboliken in verschiedenen antiken Kulturen des Mittelmeerraums sowie die disziplinäre und interdisziplinäre Vernetzung von WissenschaftlerInnen. Dafür wurde der Körper in einer transkulturellen und sogar transhistorischen Weise kontextualisieren. Eine kritische Reflexion des antiken Körperverständnisses kann nicht vermieden werden, wenn eine Auseinandersetzung mit vormodernen Vorstellungen über den menschlichen Körper angestrebt wird.  


Block I: Vor- und Frühgeschichte

Im ersten Vortrag des Workshops „Der Körper als Zeichen? Körperkonzepte und Körpersymbolik aus Sicht der Prähistorischen Archäologie“ skizzierte Frau Dr. Melanie Augstein (Universität Leipzig) die Potenziale einer symbolischen Lesart des Körpers und deren Grenzen. In ihrem Vortrag zeigte sie uns die Möglichkeiten und Reichweiten, aber auch die Grenzen einer Disziplin auf, die auf schriftliche Zeugnisse verzichten muss, um Fragen der Körpersymbolik und Körperinszenierung, mithin Fragen der symbolischen Kommunikation interpretieren zu können.

Der zweite Vortrag „Gesichtslose Giganten, lose Köpfe und Fleisch aus Ton? Deutungsmöglichkeiten prähistorischer Kopfbehandlung in Vorderasien“ erfolgte durch Benny Waszk (Graduiertenkolleg 1876), der einen allgemeinen Überblick über exemplarische Funde und Befunde des epipaläolithischen bzw. präkeramischen Obermesopotamiens und der angrenzenden levantinischen Region lieferte. Er berichtete ebenfalls über Deutungsmöglichkeiten für die prähistorische Kopfbehandlung anhand postmortaler Schädelmanipulationen, steinerner Masken und Kopfdeponierungen in Bauwerken in Vorderasien.


Block II: Alter Orient

Herr Prof. Alexander Pruß (Graduiertenkolleg 1876) setzte sich während seines Vortrags „Mund, Nase, Ohren, Augen: Die Darstellung von menschlichen Sinnesorganen in altorientalischer Rundplastik“ mit der Symbolik solcher Objekte auseinander. Anhand der an verschiedenen Fundorten befindlichen Terrakotten wurde über die Darstellung der Sinnesorgane in diesen Kleinplastiken berichtet und dabei Fragen behandelt wie: Wie ist es zu erklären, dass in vielen dieser Figuren die Augen und Nasen sehr prominent dargestellt sind, während die Ohren oft nur angedeutet sind und der Mund (zumindest in manchen Perioden) fast immer fehlt? Warum sind manche Figuren mit geschlossenen Augen dargestellt, und warum gibt es kaum runde Großplastiken mit unversehrten Augen und Nasen.

Abb. 2, Screenshot während des Vortrags von Herrn Prof. Alexander Pruß. 

Frau Dr. Elisa Roßberger (Ludwig-Maximilians-Universität München) führte den Block mit ihrem Vortrag „Purity and Danger? Zur Körpersymbolik babylonischer Terrakottaplastik im späten dritten und frühen zweiten Jahrtausend v. Chr.“. Sie berichtete über verschiedene Interpretationen des nackten Körpers im Rahmen der Gender-Stereotypen, insbesondere bei weiblichen Figurinen, der babylonischen Terrakottaplastik. 


Block III: Ägypten

Die folgende Sektion, die sich mit dem Alten Ägypten beschäftigte, eröffnete Herr Dr. Uroš Matić (Österreichische Akademie der Wissenschaften). Mit seinem Vortrag „Kohlgefäße, Fayence und Schilf: Eine Untersuchung von Körpern, Funktionen, Symbolen und intraaktiven Objekten“ zeigte er, wie die Gefäße, in denen die schwarze Augenfarbe aufbewahrt wurde, in der Form von Schilfröhrchen mit dem Körper interagieren können. Während des Vortrags erklärte er die konzeptuelle Verschiebung durch die, Körper, Augenfarbe und Dinge zu intraaktiven[1]Objekten werden. Das heißt, das Verhältnis zwischen diese verschiedene „Aktoren“, wie sie sich wechselseitig beeinflussen.

Mit dem folgenden Vortrag „Anatomische Exvotos als Ausdrucksformen menschlichen Hilfsbedürfnisses und andere Formen der Volksfrömmigkeit im Alten Ägypten“ gab Judit Garzón Rodríguez (Graduiertenkolleg 1876) einen Überblick über einige altägyptische anatomische Exvotos. Durch eine vergleichende Analyse zwischen schriftlichen und archäologischen Quellen wurde die Verwendung und Bedeutung dieser anatomischen Votivobjekte als Antwort auf individuelle und kollektive Glaubensvorstellungen innerhalb eines bestimmten religiösen Rahmens erläutert.

Nach beiden Blöcken endete der Tag mit einer größeren Diskussionsrunde, in der die in den Vorträgen aufgeworfenen Fragen vertieft wurden, ebenso wie die Bedeutung des Studiums des Körpers als Spiegel von Glaubensvorstellungen und sozialen Normen.


Block IV (Teil 1): Klassische Antike

Der Samstag war der Symbolik des Körpers in der Klassischen Antike (Griechenland und Rom) gewidmet. Die Einführung in dieses Thema gab Dr. Steffi Grundmann (Bergische Universität Wuppertal) mit ihrem Vortrag „Haare salben, lösen und entfernen. Die Sexualisierung der Haare im Klassischen Griechenland“. Anhand verschiedener primärer Textquellen aus dem 5. und frühen 4. Jahrhundert v. Chr. zeigte sie Bezüge zu verschiedenen Frisuren oder Umgangsformen mit Haaren und deren Bedeutungsebenen auf. Sie leitete damit eine Debatte über die Sexualisierung von Haaren als kontextspezifisches wechselnde Bedeutungszeichen ein.

Mit seinem Vortrag „Trauern und siegen. Die Brust als Ort symbolischer Verdichtung in der griechisch-römischen Antike“ gab Christoph Appel (Graduiertenkolleg 1876) einen Überblick über die wichtigsten griechischen und lateinischen Lexeme, die einen Bezug zur Brust aufweisen. Anhand eines Vergleichs der beiden Sprachen erläuterte er die Charakteristika des Brustkonzepts in beiden Sprachen, um schließlich die Inszenierung der männlichen und weiblichen Brust in der griechischen und lateinischen Literatur (unter besonderer Berücksichtigung von Epos und Tragödie) darzustellen.


Block IV (Teil 2): Klassische Antike

Der erste Vortrag des letzten Blocks erfolgte durch Dr. Simone Voegtle (Universität Bern). Mit ihrem Vortrag „Die Hässlichkeit des Anderen. Karikaturen und verzerrte Körper als Identitätsstifter in der griechischen Antike“ präsentierte sie eine breitere Vision zum Thema Karikaturen, Lächerlichkeit und Hässlichkeit, die auf Fremde oder marginale Gesellschaftsgruppen projiziert wurde. Dafür stellte sie die komplexen Zusammenhänge dieses Phänomens der karikaturhaften Darstellungen und zeigte anhand von Beispielen die Rolle des abnormen Körperbildes in der griechisch-römischen Gesellschaft.

Im letzten Vortrag des Workshops „Infamis facies. Überlegungen zum (un)sichtbaren Gesicht der Gladiatoren“ präsentierte Francisco José Gómez Blanco (Graduiertenkolleg 1876) bildliche Darstellungen von Gladiatoren von Zeiten der Republik bis zur Spätantike, die sowohl Gladiatoren mit verdecktem als auch mit sichtbarem Gesicht zeigen. Er formulierte seine Beobachtungen zur Darstellungsmöglichkeiten – besonders der Figur des retiarius – und dieser Bedeutung, betonend, dass das sichtbare Gesicht im Bild eingesetzt wurde, um die Furcht, das Leiden oder den Tod in der Arena zu veranschaulichen.

Schließlich hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, an der letzten großen Diskussionsrunde des Workshops teilzunehmen. Erneut wurde eine lebhafte Debatte über die Symbolik des Körpers in den betrachteten Kulturen geführt, wobei auch Parallelen aus anderen, darunter auch modernen, Kulturen ins Spiel kamen.

Christoph Appel und Benny Waszk hielten das Schlusswort des Workshops und betonten die Wichtigkeit der Untersuchung des Körpers als universelles Symbolsystem, das jedoch von der eigenen Kultur abhängig ist.