Freitag, 25. November 2016

Workshop mit Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst zum Thema "Postkoloniale Theorien in 'vormodernen' Gesellschaften – Begegnungen, Konzepte, Prozesse"

 Ein Beitrag von Dominic Bärsch.

Am 10.11.2016 veranstaltete Marianne Bechhaus-Gerst als Gastwissenschaftlerin des Graduiertenkollegs einen Workshop zum Thema "Postkoloniale Theorien in 'vormodernen' Gesellschaften – Begegnungen, Konzepte, Prozesse", an dem die Mehrzahl der Graduierten teilnahm.
 
Im Rahmen dieses Workshops stellte Frau Bechhaus-Gerst zunächst ausgewählte Theorien aus dem Bereich der sogenannten Postcolonial Studies vor, die sich mit der Analyse von Kulturkontakten und Machtstrukturen beschäftigen, vor allem aber auch die Dekonstruktion von Essentialismen und binären Oppositionen des kolonialen Diskurses zum Gegenstand haben. In der Diskussion dieser Theorien wurde daraufhin immer die Frage aufgeworfen, wie diese Ansätze für die von den Graduierten untersuchten Kulturen nutzbar gemacht werden können.
 
In diesem Zusammenhang zeigte sich, dass vor allem die Überlegungen des indischen Theoretikers Homi Bhabha für die Arbeit mit vormodernen Konzepten anwendbar sind. Dieser beschäftigt sich unter anderem mit der Frage von Hybridisierungen, die zwangsläufig beim interkulturellen Kontakt entstehen. Beispiele solcher Hybridisierungsprozesse finden sich auch in den Arbeiten der Doktorandinnen und Doktoranden, die anschließend einige solcher Fälle diskutierten. In den Worten Bhabhas sind "all forms of culture (…) continually in a process of hybridity" (Fn. 1), womit gemeint ist, dass nicht nur bei Kontakten zwischen Kulturen, sondern auch zwischen einzelnen Subjekten stets Hybride auftreten, die kulturelle Zusammenhänge, Ideen und Konzepte ändern können. Vor diesem Hintergrund machte Frau Bechhaus-Gerst auf García Canclinis aufmerksam, der Hybridität als die Fähigkeit einer Kultur definiert, Ideen aus früheren Zusammenhängen oder aus einer anderen Kultur aufzunehmen, um sie dann in abgewandelter Form in einen neuen Kontext einzufügen, wodurch sich auch der Kontext ändert, in den diese Ideen eingefügt werden.
 
Im Anschluss stellte Frau Bechhaus-Gerst noch einige Beispiele aus ihrer eigenen Forschung vor, die einen praktischen Einblick in die Übertragbarkeit der postkolonialen Theorien in vormoderne Forschungsgegenstände illustrierten. Eine Abschlussdiskussion rundete den thematischen Block ab und entließ die Doktoranden mit wertvollen Anregungen für ihre eigenen Arbeiten.

 
Fußnote: 
(1) Homi K. Bhabha, Nation and Narration, New York 1990, 211.

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