Donnerstag, 4. Februar 2016

Der Panther im alten Ägypten und im Mittelalter – Exot auf dem Prüfstand

Ein Beitrag von Carrie Schidlo.
 
Am 21. Januar 2016 stellten Imke Fleuren und Stephanie Mühlenfeld im Rahmen der Plenumssitzung den Panther und die mit ihm verbundenen Konzepte vor.
Das Tandem, das sich mit dem übergeordneten Aspekt der "Exotik" beschäftigt ("Concepts of non-indigenous fauna in Egypt" –
Fleuren / "Konzepte der 'exotischen' Tierwelt in deutschen Texten des hohen und späten Mittelalters" – Mühlenfeld), zeigte sehr eindringlich die Bedeutung dieses Tieres in der jeweiligen Kultur bzw. Epoche.
 

Der Panther im Alten Ägypten – Leopard oder Gepard?

 
In ihrem Vortrag "The 'Panther' in ancient Egypt. A Journey between Animal(s) and Product" unterschied Imke Fleuren zunächst die vier Panther(=Großkatzen)-Arten Löwe (Panthera leo), Leopard (P. pardus), Tiger (P. tigris) und Jaguar (P. onca) voneinander, bevor sie diese von Gepard (Acinonyx jubatus) und Puma (Puma concolor) abgrenzte.

Abb. 1: Gepardenkopf aus dem Grab des Tutanchamun, Ägyptisches Museum Kairo, Inv. Nr. JE 62639
(Quelle:
https://www.flickr.com/photos/134796951@N08/22488721814/in/photolist-knQrPW-AgojiR-Azj7wZ-Agfzv1).

In der nachfolgenden Betrachtung des Panthers im Rahmen der altägyptischen Kultur verdeutlichte Fleuren, dass die Bezeichnung "Panther" synonym sowohl für Leopard als auch für Gepard stand. Sie zeigte an mehreren archäologischen Beispielen, wie Reliefs, Malereien oder Schmuck, die Wiedergabe des vollständigen Tieres sowie allein seines Fells. Besonders anhand der Fellzeichnung kann eine Unterscheidung der beiden Arten vorgenommen werden: das Leopardenfell weist Rosetten auf, während das des Geparden gefleckt ist. Fleuren verwies jedoch auch darauf, dass die Darstellungen des Fells vielfach stilisiert sind. Auf Fellimitaten mit vergoldeten Köpfen (Abb. 1), die eine Gepard-ähnliche Physiognomie aufweisen, wurden Sterne auf den Fellen angegeben. Archäozoologische Funde wurden in Ägypten nur wenige gemacht, weshalb es eine Diskrepanz zwischen Darstellung und Realität gibt.
 
Im Alten Reich (2686 bis 2160 v. Chr.) versprach das Tragen des Pantherfells Macht und Schutz für den Träger. Im königlichen Kontext handelte es sich dabei um Personen aus dem näheren Umfeld des Pharaos. Dies konnten sowohl leibliche als auch angenommene Söhne sein sowie höhergestellte Beamte, die Rituale für den Pharao durchführten. Im privaten Bereich war es der Kultempfänger, der mit dem Fell bekleidet war (Fn. 1).

Bei Funden aus dem Mittleren Reich (2055 bis 1650 v. Chr.) muss zwischen Leopard und Löwe unterschieden werden. Jetzt trug immer derjenige, der ein Ritual durchführt, das begehrte Fell. Auch der Pharao wurde im Ritual bzw. in seiner Funktion als oberster Priester des Landes mit dem Fell bekleidet. In den Opferlisten in den Gräbern erscheint der Leopard jedoch nicht mehr. Ebenso gab es in der Hieroglyphen-Schrift eine Veränderung: wurde in bestimmten Kontexten noch der Leopardenkopf als Zeichen verwendet, so veränderte es sich zum Löwenkopf (Fn. 2).
 
Im Neuen Reich (1550 bis 1069 v. Chr.) bedurfte es einer Unterscheidung zwischen Leopard und Gepard, jedoch blieben die Funktion und die Bedeutung des Fells gleich. Es wurde jetzt überwiegend nur noch von Priestern getragen, weshalb ihm nun auch eine reinigende Wirkung zugesprochen wurde.
 
Fleuren konnte somit als Konzepte, die mit dem Panther in Ägypten assoziiert werden, festhalten, dass es dem Träger des Fells Macht und Stärke verlieh, ihm aber auch gleichzeitig Schutz gewährte. Das Pantherfell war damit ein mächtiges Prestigeobjekt.
 

Vom fantastischen Tier zum realen?

 
Mit Stephanie Mühlenfelds Vortrag "mit reinen gedanchen nach dem suozzen stanche – Aspekte des Panther-Konzepts von der Antike bis ins Spätmittelalter" erfolgte ein zeitlicher und räumlicher Sprung. Mühlenfeld ermittelte mehrere Konzepte zum Panther von der Antike bis ins Mittelalter.

Hinsichtlich des Panther-Konzepts der griechisch-römischen Antike bezog sich
Mühlenfeld auf den Artikel Jochen Walters (Fn. 3). In diesem wird der Panther beispielsweise als ambivalentes Tier interpretiert, das sowohl Aggressor als auch Opfer von Aggressionen sein kann. Das Fell war ein Luxusgut, das aus dem Orient importiert werden musste und somit auch ein geeignetes Geschenk für die Herrscher war. Daneben war er als Tier in der Mythologie ein Begleittier des Dionysos. Plinius beschreibt in seiner Naturalis historia 8, 22-23 die Eigenart und das Erscheinungsbild des Panthers. Er verweist hierbei u. a. auf den guten Duft, der andere Tiere anzieht.

Das mittelalterliche Panther-Konzept besteht für
Mühlenfeld aus mehreren verschiedenen Diskursen, die sich in schriftlichen und bildlichen Quellen zeigen. Sie zieht dabei Texte des Isidor von Sevilla, Albertus Magnus, Mandeville und den Physiologus heran sowie Bilder des Bartholomaeus Anglicus, Konrad von Megenberg und auch verschiedene Bestiarien. Es spielen dabei vor allem das Pantherfell, das von besonderer Schönheit ist, und sein Atem, der so süß ist, dass er andere Tiere anlockt, eine besondere Rolle. Auffällig ist, dass die Beschreibung und die Darstellung des Panthers sehr von dem realen Tier abweichen (Abb. 2).
Abb. 2: Cod. Pal. germ. 300. Fol. 111r. Konrad von Megenberg, Das Buch der Natur – Hagenau –
Werkstatt Diebold Lauber, um 1442-1448? (Quelle:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg300/0239).
 
Mühlenfeld ordnete die Informationen der unterschiedlichen Medien zum Panther schließlich in fünf Diskurse ein, die sich in manchen Aspekten berühren. Dies stützte die eingangs von ihr formulierte Überlegung, dass bestimmte Tiere in verschiedenen Diskursen erscheinen und von ihnen geformt werden.


Der Panther – ein gemeinsames hohes Gut

 
In ihrem Fazit zeigten die Referentinnen auf, welche Gemeinsamkeiten ihre Projekte trotz geographischer, kultureller und zeitlicher Unterschiede aufweisen. Besonders deutlich wurden der hohe Stellenwert, den das Pantherfell innehat, sowie die Hervorhebung der Fellzeichnung. Mit diesem Luxusgut umgaben sich besonders die Herrscher und höhergestellten Personen einer Kultur. Für den religiösen Bereich lässt sich festhalten, dass der Panther eine wichtige Rolle im Leben nach dem Tod spielt. Auch in der Heraldik kommt der Panther in verschiedenen Konstellationen und Varianten vor. Im übertragenen Sinne waren die ägyptischen Schilde, die mit Gepardenfell bespannt waren, eine Art Vorläufer.


Fußnoten:
[1] U. Rummel, Das Pantherfell als Kleidungsstück im Kult: Bedeutung, Symbolgehalt und theologische Verortung einer magischen Insignie, Imago Aegypti 2, 2008, 109-152.
[2] A. I. McDonald, Animal Metaphor in the Egyptian Determinative System: Three Case Studies (Oxford 2002).
[3] J. Walter, Der Philosoph im Pantherfell. Aelian, Natura animalium 5,54 vor dem Hintergrund antiker Prätexte und moderner Tierethologie, in: J. Althoff – S. Föllinger – G. Wöhrle (Hrsg.), Antike Naturwissenschaft und ihre Rezeption. Band XXV (Trier 2015) 173-202.

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