Mittwoch, 29. Juli 2015

Dissertationsprojekt von Katharina Hillenbrand: "Vulkanische Phänomene in der römischen Antike – Literarische Faktur und diskursive Formung"

Ein Beitrag von Carrie Schidlo.
Ausgehend vom theoretischen Hintergrund ihres Dissertationsprojektes, der historischen Katastrophenforschung, erläuterte Katharina Hillenbrand den Untersuchungsgegenstand und exemplifizierte ihr Vorgehen anschließend an einigen ausgewählten Beispielen.
 

Vulkanische Phänomene und historische Katastrophenforschung

 
Unsere modernen Vorstellungen von Vulkanen weichen oft von der realen Beschaffenheit der verschiedenen Vulkantypen ab und sind vorrangig medial durch die Kriterien der Ästhetik geformt. Ausgehend von diesem Missverhältnis zwischen konzeptioneller Vorstellung und realer Beschaffenheit leitete Katharina Hillenbrand zum theoretischen Hintergrund ihrer Arbeit über und begründete, weshalb sie sich an diese anlehne, machte gleichzeitig aber auch deutlich, inwieweit sie von ihr abweichen muss.

Die historische Katastrophenforschung beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen Mensch und Naturgewalten und postuliert, dass Naturkatastrophen vor allem soziale Phänomene darstellen. Im Dissertationsprojekt soll der Fokus jedoch um die verschiedenen, auch vermeintlich harmlosen vulkanischen Phänomene erweitert werden. Dies sei mit der Besonderheit vulkanischer Naturgewalten zu begründen, die zwar gefährlich seien, umgekehrt aber ebenso viele positive Aspekte für den Menschen brächten, die es bei der Betrachtung der Interaktion von Mensch und Naturgewalt ebenso zu berücksichtigen gelte.

Vulkanische Phänomene und Klassische Philologie

 
Katharina Hillenbrand machte deutlich, dass die historische Katastrophenforschung weniger aus philologischen Disziplinen erwachsen ist und der Tatsache einer rein literarischen Überlieferungsform teils nicht genügend Rechnung trägt. In einer philologischen Untersuchung sei es daher verstärkt nötig, den literarischen und diskursiven Kontext der Darstellungen tiefer zu würdigen. Es sei einerseits nötig zu schauen, wie Naturgewalten literarisch umgesetzt wurden, andererseits aber auch, mit welchen Diskursen sie verbunden wurden. Insbesondere gehöre dazu auch, wann sie als gewaltig und wann sie nicht als gewaltig eingestuft wurden. Es gelte folglich, Darstellungen der Bandbreite an Erscheinungen zu berücksichtigen. Ziel des Projektes ist es daher herauszuarbeiten, wie die verschiedenen vulkanischen Phänomene konzipiert sowie hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit eingestuft wurden und wie sich diese Einstufung literarisch und diskursiv niederschlägt. Gegenstand der Betrachtung seien daher nicht nur die verschiedenen Eruptionsarten, sondern auch vermeintliche Randphänomene, die menschliche Reaktionen auf Vulkanismus hervorrufen. Schwerpunktmäßig wird aufgrund der Quellenlage der Zeitraum vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. betrachtet.

Bei den Fallbeispielen zeigte Katharina Hillenbrand anhand ausgewählter Texte, dass einerseits verschiedene vulkanische Kategorien bekannt waren, andererseits aber jene Vielfalt in ihrer literarischen Inszenierung verengt und übergeordneten Zwecken zugänglich gemacht wird. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Frage, inwieweit die vulkanische Phänomenologie, soweit sie sich für die betreffende Zeit rekonstruieren lässt, eine prägende Rolle für die literarische Umsetzung spielte.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen