Freitag, 29. Januar 2021

Ein Bericht über die Arbeit im GRK unter Corona-Bedingungen

 Ein Beitrag von Maral Schumann und Nathalie Rodriguez de Guzman.

 

Ein Jahr Corona – das bedeutet für Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: zwei Mal eine Universität im Notbetrieb, zwei digitale Semester, vier Konferenzanwendungen, drei Lernmanagementsysteme, unzählige technische Hürden und Probleme sowie ein fehlender fachlicher aber auch organisatorischer Austausch. Ein Jahr Corona bedeutet aber auch: bequemes Arbeiten von zuhause aus, keine Arbeitswege, die Möglichkeit zur Teilnahme an Konferenzen im In- und Ausland ohne aufwendige und kostspielige Hin- und Rückreise.

 

Arbeitsbeginn in der Pandemiezeit

Unser Start im GRK 1876 und mit der Arbeit an unseren Promotionsprojekten Anfang Oktober 2020 verlief unter Einhaltung der Abstand-Hygiene-Alltagsmaske-Regeln sehr gut. Wir konnten uns in der Einführungswoche gegenseitig, die Sprecher des GRKs, einige Doktorandinnen und Doktoranden sowie weitere Beteiligte persönlich kennenlernen. Bei einem die Woche abschließenden, gemeinsamen Abendessen lernten wir weitere Kollegiatinnen und Kollegiaten kennen und konnten uns wertvolle Tipps von bereits Promovierenden einholen. (Abb. 1)

 

 

Abb. 1: Gruppenfoto beim gemeinsamen Abendessen zum Abschluss der Einführungswoche (Foto: Benny Waszk)

Wir haben uns unter den Kollegiatinnen umgehört, die mit uns im Oktober die Arbeit im GRK aufgenommen haben, und die folgende Meinung trifft am besten den Grundtenor: „Ich würde den Start in die Arbeit unter Corona-Bedingungen positiv bewerten, da es durch die regelmäßige Nutzung der Büroräume keine großen Einschränkungen in der Zusammenarbeit mit den Kollegen gab. Auch die Bibliotheken waren für Nutzer weitestgehend zugänglich und hatten keinen großen Einfluss auf die eigene Forschung.“

Die Büroräume durften nur an zwei Wochentagen genutzt werden, wodurch nicht mehr als zwei bzw. drei Personen pro Büro anwesend waren. Alle dreißig Minuten erfolgte ein Stoßlüften für fünf Minuten und es herrschte Maskenpflicht im Gebäude (außer am eigenen Arbeitsplatz). Leider konnten wir dadurch nicht alle, aber doch ein paar der übrigen Doktorandinnen und Doktoranden kennenlernen und uns über unsere Projekte, aber auch über organisatorische Fragen austauschen.

Doch kaum hatte man nun einen Arbeitsrhythmus gefunden, kam der zweite Lockdown im November – mit neuen Regelungen und Einschränkungen: So konnte der eigene Arbeitsplatz nur noch an 1,5 Tagen in der Woche genutzt werden und die Maske musste nun auch am eigenen Platz getragen werden.

Bis Ende Januar 2021 erreichte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JGU der neunte „JGU Corona-Informationen“-Newsletter, der über entsprechende Anpassungen der Maßnahmen informierte. Momentan befindet sich die Universität im Notbetrieb, was Homeoffice für uns und zum großen Teil geschlossene Gebäude bedeutet. Ein Arbeiten und Recherchieren in den Bibliotheken ist daher beispielsweise aktuell nicht möglich.

 

Nutzung der Bibliotheken

In der Bibliothek in der Hegelstraße konnte vor dem erneuten Notbetrieb mit Voranmeldung gearbeitet werden. Ähnlich verhält es sich mit den Bereichsbibliotheken des Philosophicums. Diese konnten im Oktober noch mit vorheriger Online-Anmeldung in bestimmten Zeitfenstern (8.00-15.30 Uhr und 16.00-23.00 Uhr), dem Tragen einer Maske auch am Arbeitsplatz und häufigem Lüften genutzt werden. Seitdem sich die Universität wieder im Notbetrieb befindet, können Bücher nur noch ausgeliehen werden, eine Recherche vor Ort ist damit nicht mehr möglich. Das ist gerade zum Beginn der Arbeit sehr hinderlich.

 

 Online-Veranstaltungen

Der Studienbetrieb läuft natürlich auch im Notbetrieb weiter, und obwohl ein hybrides Wintersemester angekündigt wurde, musste das Semester kurzfristig Anfang November aufgrund steigender Infektions- und Todeszahlen doch wieder vollständig in den digitalen Raum verlegt werden. Seminare funktionieren leider weniger gut online: Neben technischen Problemen, die vereinzelt bei den Seminarteilnehmern auftreten, entwickeln sich Diskussionen nur sehr schleppend. Ein Austausch der Teilnehmer über die Seminarinhalte aber auch organisatorischer Art, der normalerweise vor oder nach der Seminarsitzung stattfindet, ist online nicht möglich. Besonders Kompetenzen, die in den Geisteswissenschaften wichtig sind, wie das das Präsentieren und Diskutieren der eigenen Arbeit vor bzw. mit einem Fachpublikum kann folglich in der aktuellen Situation nicht geübt werden.

 

Abb. 2: Screenshot einer Kolloquiumssitzung in Big Blue Button (Foto: Maral Schumann)


Homeoffice

Am Anfang klang es gar nicht so schlecht. Man nimmt seine Bücher und Unterlagen mit nach Hause und kann dort in Ruhe arbeiten. Doch es dauerte gar nicht lange, bis man die Kollegiatinnen und Kollegiaten und die Kontakte zu- und Kommunikation mit einander vermisst hat. Eine Kollegiatin meinte: „Einen großen Störfaktor stellt in meinen Augen der fehlende Austausch mit den Kollegen dar, der durch Online-Veranstaltungen nur bedingt möglich ist. Schade finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass die letzte Kohorte nur wenige von den Doktoranden und Assoziierten des GRKs persönlich kennenlernen konnte und auch dass sich ein gemeinsames Treffen zum Kennenlernen auf eine unbestimmbare Zeit verschoben hat. Ich hätte mir gewünscht, dass gerade die älteren Kohorten Tipps und Tricks oder auch Erfahrungen mit der jüngsten Kohorte teilen und ihnen den Start im GRK wenigstens auf virtuellem Wege erleichtern.“

Homeoffice unter den aktuellen Umständen hat seine Vor- und Nachteile:

 

Vorteile:

– Eine Teilnahme weltweit an interessanten Veranstaltungen ist plötzlich problemlos möglich, was unter normalen Umständen vielleicht nicht so einfach wäre. So kann man morgens an einem Webinar in New York und nachmittags an einem Vortrag aus China teilnehmen (und das Ganze in der eigenen Wohnung und auch mal im Pyjama).

– Wer nicht direkt in Mainz wohnt, muss nicht jeden Tag zur Arbeit pendeln.

– Es herrschen einigermaßen flexible Arbeitszeiten.


Doch die Nachteile scheinen zu überwiegen:

– Es gibt verwirrend viele Programme und Online-Plattformen, die von verschiedenen Kollegiatinnen und Kollegiaten verwendet werden, sodass man schnell den Überblick verlieren kann (Abb. 3).


Abb. 3: Verschiedene in den letzten Monaten verwendete Online-Plattformen zur Kommunikation und zum gemeinsamen Arbeiten an Projekten (Zusammenstellung Maral Schumann)


– Technische Probleme gehören zum Alltag: Es gibt fast immer ein Problem, mal funktioniert das Mikrofon nicht, mal bricht das Internet ab, mal fliegt ein Teilnehmer oder sogar der Veranstalter raus, weil die Bandbreite des Internets nicht ausreicht usw. 

– Ganz schnell kann sich eine unausgewogene Work-Life-Balance ergeben.

– Wer allein wohnt, dem fehlt nicht nur der fachliche Austausch, sondern manchmal auch eine ganz laienhafte Meinung zur eigenen Arbeit. Es besteht dadurch die Gefahr, sich zu verzetteln.

– „Ich fühle mich isoliert!“ sagte eine Kollegiatin. „Ich freu mich, wenn ich einmal die Woche einkaufen gehen und mich kurz mit der Kassiererin im Supermarkt unterhalten kann“, sagte eine andere Kollegiatin.

Durch das isolierte Arbeiten im Homeoffice, die wenige Kommunikation mit Kollegen ist gerade zum Beginn der Arbeit die Gefahr etwas größer, eine Online-Veranstaltung, ein Meeting, eine Besprechung etc. zu übersehen. Beim Arbeiten vor Ort im Büro sind wird man auf diese Dinge meist nochmal in einer gemeinsamen Mittagspause erinnert.

– Manche Kollegiatinnen und Kollegiaten sitzen in Ihren Heimatländern fest und können bisweilen nicht nach Deutschland einreisen. Andere sitzen in Deutschland in einer Art Isolationshaft und können nicht in ihr Heimatland reisen.

- Homeoffice stellt hohe Ansprüche an ein selbstständiges und organisiertes Arbeiten. Gerade zu Beginn einer Einstellung, wenn man sich in ein bestehendes Arbeitsumfeld einfügen muss, erschwert Homeoffice das Einarbeiten.


Homeoffice mit Kind

Das kann man als alles andere bezeichnen, aber sicher nicht als „Arbeiten“ – insbesondere ohne weitere Betreuungsmöglichkeiten. „Homeoffice mit Kind“ heißt, nachts arbeiten oder am Wochenende durcharbeiten, um den gesamten Wochenplan nachholen zu können (falls der/die Partner/in nicht am Wochenende arbeiten muss). Immer wieder ist da dieser Satz zu hören: „Mama/ Papa, du bist doch da, warum hast du nie Zeit für mich?“

Eine Kollegiatin meinte dazu: „Wenn ich im Homeoffice bin, muss das Kind in die Kita. Wenn das Kind nicht in die Kita kann bzw. darf und zu Hause betreut werden muss, dann muss ich ins Büro und jemand anderes (Partner, Großeltern) muss die Betreuung übernehmen. Wenn das nicht möglich wäre, könnte ich nicht wirklich arbeiten.“ Homeoffice mit Kind funktioniert im Allgemeinen sehr bedingt. Das wird noch spannender, wenn Veranstaltungen ab 18 Uhr geplant sind. Was soll man tun? Mikrofon und Kamera aus, nur zuhören und parallel dazu mit dem Kind Abendessen? Das bleibt aber nicht das einzige Problem, es gibt Veranstaltungen, die manchmal bis 21 Uhr dauern. Also: Kopfhörer aufsetzen, das Kind auf den Schoß nehmen und in den Schlaf begleiten (Abb. 4, 5).

 

Abb. 4, 5: Abendveranstaltungen mit Kleinkind (Foto: Maral Schumann)
 

Wie man sieht, sind wir alle in fast der gleichen Situation und stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Manchmal reicht es schon zu wissen, dass man nicht allein kämpfen muss oder es viele andere Kollegiatinnen und Kollegiaten gibt, die gleiche Probleme haben. Über diese Probleme auch zu sprechen, sollte auf jeden Fall nicht als „Schwäche zeigen“ interpretiert werden, das Gegenteil sollte der Fall sein.

Wir werden unseren Weg durch diese Pandemie finden. Es wäre gut, wenn wir die guten und die schlechten Seiten unserer jetzigen Situation ansprechen und gemeinsam Verbesserungsideen entwickeln. So wurde sogar inzwischen eine wöchentliche virtuelle Kaffeepause von unserer Promovierendensprecherin organisiert. Das hat bisher vielen gut gefallen und vor allem „gut getan“. Auch die Verwendung von Online-Software und Plattformen wird nach und nach einheitlicher und professioneller. Wir wünschen uns alle aber eine baldige Rückkehr in die Normalität, welche ein Arbeiten vor Ort, Kommunikation, Forschung und Austausch wieder ermöglicht.

 

Bis dahin, bleibt alle gesund!