Donnerstag, 3. August 2017

"Kolloquium für Doktoranden und Fortgeschrittene Masterstudenten der Byzantinistik und Neogräzistik an den Universitäten Köln, Mainz und Münster", on July 19th, 2017

A weblog entry by Laura Borghetti

When it comes to academic life, the possibility of exchanging ideas, projects and experiences with colleagues from other universities, cities and countries fully compensates all various struggles that every single PhD student happens to face throughout his/her doctoral path. This very kind of experience was the Therinà Anameikta, namely the Kolloquium für Doktoranden und fortgeschrittene Masterstudenten der Byzantinistik und Neogräzistik an den Universitäten Köln, Mainz und Münster. In the lovely location of the Internationaler Kollege Morphomata in Köln on July the 19th, 2017, PhD and master students coming from the faculties of Byzantine Studies of three eminent German universities had the chance to present their either ongoing or concluded projects in the framework of a friendly academic meeting, moderated by Prof. Dr. Claudia Sode (Universität zu Köln) and in the presence of the special guest Prof. Paul Magdalino (University of St. Andrews).
The participants and the rest of the audience could therefore listen to, for example, the interesting presentation of Martina Filosa, master student in Köln, who was to submit her master thesis in Greek Palaeography a few day later and who, during the meeting, talked about the commentary to the folio 528 in the Psalms manuscript of the Duchess Anna Amalia’s library in Weimar ("Der Psalmenkommentar in der Handschrift Fol. 528 der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar"). On the other side, João Dias, PhD student in Mainz, had the chance to do his first presentation ("Barbaren und Tyrannen in der Anemas-Verschwörung") after successfully submitting his PhD thesis a few weeks before. As one can see, the possibility of exchanging ideas about various topics and projects perfectly matched the chance of confronting ourselves with different phases of the PhD-work and future careers. When it came to me, the Kolloquium in Köln was my first occasion to present my ongoing project and some results – which are still in their very early stage – in front of a very significant part of the German academic community. The friendliness and vivid interest that greeted my presentation, together with several positive and encouraging feedbacks I got both from professors and younger colleagues, made my experience in Köln the most cheerful way to close the first phase of my PhD work before the summer break.

The PhD students of the Mainzer Byzantinistik in Köln: Kai-Chieh Chang, Laura Borghetti and João Dias (Photo by Laura Borghetti) 

Mittwoch, 2. August 2017

49. Ständige Ägyptologenkonferenz (SÄK) in Göttingen, 14.-16. Juli 2017

Ein Beitrag von Victoria Altmann-Wendling.

Vom 14. bis 16. Juli 2017 fand an der Georg-August-Universität zu Göttingen die diesjährige, 49. Ständige Ägyptologenkonferenz statt. Sie trug gemäß der Ausrichtung des dortigen Seminars für Ägyptologie und Koptologie, dessen Gründung dieses Jahr sein 150. Jubiläum feiert, den Titel "'Steininschrift und Bibelwort' – Religiöse Texte aus Ägypten in ihrem kulturellen Umfeld". Das Zitat, das aus dem Titel eines Werks Heinrich Brugschs, dem Begründer des Lehrstuhls, stammt, verweist auf das breite Spektrum der Vorträge, das neben klassisch ägyptischen Texten auch zahlreiche christliche sowie rezeptionsgeschichtliche Themen umfasste.
 
Den Anfang der im Zentralen Hörsaalgebäude stattfindenden Veranstaltung machten jedoch traditionsgemäß zahlreiche Begrüßungsredner, unter denen besonders seine Exzellenz Bischof Anba Damian, dem Diözesenbischof von Norddeutschland als Vertreter der Koptisch-Orthodoxen Kirche einen bleibenden Eindruck hinterließ. In seiner Rede plädierte er eindringlich für ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen, nicht nur, aber speziell in Ägypten, in dem dieses Jahr bereits mehrfach koptische Christen dem islamischen Terror zum Opfer gefallen sind. Zudem betonte er die große Bedeutung der ägyptologischen Forschung für das moderne ägyptische Volk, dessen Geschichte damit erforscht und auf eine zeitlich weit zurückreichende Basis gestellt werde, wofür er sich mit warmen Worten stellvertretend bei den anwesenden Ägyptologen bedankte.
 
Die Berichte aus den Institutionen wurden diesmal in fester Form mittels kleiner Kurzvorträge vorgestellt, was jedoch die Redezeit – bis auf einige Ausnahmen – nicht verkürzte und so ein paar Stunden in Anspruch nahm. Das tat dem anschließenden Empfang im selben Gebäude jedoch keinen Abbruch. Manche ließen den Tag später bei einem doch überraschend großen Schnitzel ausklingen (Abb. 1).
 
Abb. 1: Schnitzel in einer der gemütlichen Kneipen der Göttinger Altstadt (Foto: S. Gerhards).
 
Der Samstag begann am Vormittag mit einigen Key-Note-Sprechern, deren Themen von den Pyramidentexten (Antonio J. Morales) über hieratische religiöse Texte (Joachim F. Quack) bis hin zu christlichen und islamischen Texten reichten. Dabei standen insbesondere Fragen der Überlieferung und der Rezeption im Fokus. Morales betonte, dass der monumentalisierten Aufzeichnung der Pyramidentexte bereits eine lange Phase der oralen Überlieferung sowie der Kanonisierung auf anderen Schriftträgern (Stelen, Papyri) vorausgehe. Quack zeigte, dass nur wenige nicht-funeräre religiöse Texte aus Siedlungen bekannt sind, was jedoch auch auf Erhaltungszufällen beruhen kann und es daher schwer sei, Aussagen zur Entwicklung und Überlieferung dieser Texte und damit zu einer historischen Geistesgeschichte zu treffen.
 
Am Nachmittag begann das in zwei Sektionen aufgeteilte Programm, wobei sich ein Teil klassisch ägyptischen Texten widmete, während die zweite Sektion entweder biblische Texte oder Rezeptionsgeschichte wie etwa im Rahmen der Freimaurerei (Florian Ebeling) behandelte; ein weiterer interessanter Beitrag war der Vortrag des Ägyptologen und Wissenschaftshistorikers Thomas Gertzen, der über "Judentum und Konfession in der Geschichte der deutschsprachigen Ägyptologie" referierte.
 
Abb. 2: Vortrag von Victoria Altmann-Wendling (Foto: S. Gerhards).
 
Für das Graduiertenkolleg ist mein eigener Vortrag zu nennen, der die "Metaphorik und Symbolik des Mondes in den religiösen Texten des griechisch-römischen Ägyptens" behandelte (Abb. 2). Darin stellte ich einerseits die als theoretischer Hintergrund dienende Metapherntheorie vor und präsentierte andererseits ausgewählte Beispiele für die in meiner Dissertation herausgearbeiteten Konzepte vom Mond. Wie erwartet erhielt ich u.a. Rückmeldung von der Jun.-Prof. des Göttinger Instituts, Camilla Di Biase-Dyson, die sich selbst in zahlreichen Arbeiten mit dem Metaphernbegriff auseinandergesetzt hat (Fn. 1). Sie wies mich darauf hin, nicht nur die unterschiedlichen Personifikationen und Epitheta des Mondes als Metaphern aufzufassen, sondern auch in den übrigen Verbformen nach metaphorischen Ausdrücken zu suchen.
 
Bevor der Festvortrag begann, war noch ein wenig Zeit, sich die schöne kleine Stadt Göttingen anzusehen, neben Fachwerk-, aber auch Jugendstilhäusern durfte natürlich der berühmte Gänseliesel-Brunnen nicht fehlen (Abb. 3-4)!
 
Abb. 3: Jugendstiltür in Göttingen (Foto: A. Rickert).

Abb. 4: Victoria Altmann-Wendling vor dem Gänseliesel-Brunnen (Foto: A. Rickert).
 
Der Festvortrag der Historikerin Suzanne L. Marchand von der Louisiana State University, der in der Aula am Wilhelmsplatz stattfand (Abb. 5) trug den Titel "Herodot und die ägyptischen Priester: Eine Rezeptionsgeschichte". Dabei begab sich Marchand auf eine wissenschaftshistorische Spurensuche zur Wahrnehmung und Einordnung Herodots Ägyptenbeschreibungen in der frühen Neuzeit und Moderne. Sie kam zu den Schluss, dass seine "Beobachtungen" in Bezug auf die ägyptischen Priester als falsch abgelehnt, aber auch als richtig gefeiert wurden, je nach politischer Ausrichtung oder Aussage, die von einem Forschenden in einem bestimmten Kontext betont werden sollte. Eine generelle Ablehnung Herodots Beschreibungen konnte nicht nachgewiesen werden.
 
Abb. 5: Suzanne Marchand in der Aula der Universität Göttingen (Foto: S. Gerhards).
 
Bei Klavierklängen des Pianisten Stanislav Boianov und dem französischen Buffet konnte im Festsaal der Alten Mensa auch dieser Tag seinen gebührenden Abschluss finden.
 
Am Sonntag fanden wie üblich die Berichte aus archäologischen und anderen Forschungseinrichtungen ihren Platz. Neu war jedoch ein Vortrag der DFG, den Christoph Kümmel und Dietrich Raue bestritten, in dem sie über Ziele, Abläufe und Möglichkeiten des DFG-Fachkollegiums "Alte Kulturen" informierten. Dabei ermunterten sie insbesondere die Wissenschaftler unter 40, einen eigenen Antrag zu wagen.
 
Abschließend wurde der Ort der nächsten SÄK bekannt gegeben: Sie findet vom 13.-15. Juli 2018 in Münster zum Thema "Kulturen in Kontakt. Altägypten und seine Nachbarn" statt.


Fußnote:
[1] Z.B. C. Di Biase-Dyson, Metaphor, in: J. Stauder-Porchet/A. Stauder/W. Wendrich (Hrsg.), UCLA Encyclopedia of Egyptology, Los Angeles 2017 (https://escholarship.org/uc/item/4z62d3nn); C. Di Biase-Dyson, Wege und Abwege: zu den Metaphern in der ramessidischen Weisheitsliteratur, in: ZÄS 143, 2016, 22-33.