Mittwoch, 29. Juli 2015

Dissertationsprojektpräsentation von Carrie Schidlo: Florale Elemente in Flach- und Rundbild von der Spätzeit bis in die römische Zeit Ägyptens

Ein Beitrag von Dominic Bärsch.

An altägyptischen Hinterlassenschaften zeigt sich eine Vielfalt floraler Elemente. Die wohl bekannteste Pflanze Ägyptens ist die Blaue Ägyptische Seerose, die auch heute noch botanisch inkorrekt als "Lotus" bezeichnet wird. Doch worin liegt der tiefere Sinn ihrer Abbildung und welche Pflanzen stellt man zudem dar?

Mit ihrem Dissertationsprojekt untersucht
Carrie Schidlo zum einen die Ikonographie pflanzlicher Darstellungen vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. Zum anderen sollen die florale Motivik und ihre Wiedergabeformen der Rekonstruktion kultureller Konzepte dienen, die durch Pflanzendarstellungen transportiert wurden.
  

Florale Elemente?

 
Auf den unterschiedlichen Bildträgern des Sepulkral-, Sakral- und Profanbereichs erscheinen in großer Fülle Blumen, Gräser, Farne, Palmen, Bäume und Sträucher. Als pflanzliche Elemente können sie dabei vollständig, aber auch nur in ihren einzelnen Bestandteilen oder als Gebinde auftauchen.
  

Primärquellen floraler Elemente

 
Bei ihrer ikonographischen Studie fokussiert sich Carrie Schidlo zunächst auf den Sepulkralbereich des römerzeitlichen Ägyptens, von dem aus einzelne markante Motive diachron (Vorläufer- und Nachfolgermotive) und synchron (Sakral- und Profanbereich) betrachtet werden. Dabei ergeben sich die Fragen, welche floralen Elemente dargestellt werden, in welchen Kontexten sie auf welchen Bildmedien erscheinen und welche Tradierungen und Veränderungen sich in der Auswahl der Motivik niederschlagen. Carrie Schidlo betont dazu ausdrücklich, dass sie keine botanischen Bestimmungen anhand der Darstellungen vornehmen werde, da es sich dabei häufig um stilisierte Wiedergaben handelt bzw. die für eine Artbestimmung wesentlichen Merkmale fehlen. 
 

Weitere Quellen und Konzeptermittlung

 
Die aus den Bildquellen ermittelten floralen Motive sollen der Rekonstruktion der kulturellen Konzepte Altägyptens dienen. Zur Ergänzung werden adäquate zeitgleiche, altägyptische Schriftquellen, wie auch archäobotanische Untersuchungen von Mikro- und Makroresten ägyptischer Pflanzenfunde herangezogen. Hierbei soll darauf geachtet werden, welche Entsprechungen oder Widersprüche Bild- und Textquellen sowie die Archäobotanik hinsichtlich der Informationen zur Verwendung und Bedeutung der jeweiligen Pflanzen aufweisen. Neu erscheinende, in ägyptischen Darstellungen bisher nicht bekannte Pflanzenmotive verweisen auf mögliche Einflüsse aus den Kulturkreisen Griechenlands, Roms und des Alten Orients. Ausgewählte Quellen aus diesen Kulturen sollen weiterhin mit Blick auf universell im Mittelmeerraum gültiger Konzepte verglichen, aber daneben auch die spezifisch altägyptischen Konzepte herausgestellt und Tradierungen kenntlich gemacht werden.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen