Dienstag, 3. März 2015

"Cross Cultural Exchange in the Byzantine World, c. 300-1500 A.D." - Oxford University Byzantine Society’s XVII. International Graduate Conference

Ein Beitrag von Tristan Schmidt.
 
Am 27. und 28. Februar 2015 fand an der Universität Oxford eine Graduiertenkonferenz statt, die von der "Oxford University Byzantine Society" ausgerichtet wurde. Dabei handelt es sich um eine von Promotionsstudenten betriebene Organisation zur Förderung von Graduierten, die zu byzantinistischen Themen forschen. Ein Ziel dieser Organisation und insbesondere der Konferenz ist es, Nachwuchswissenschaftler zu vernetzen und ihnen die Gelegenheit zu geben, ihre Arbeiten zu präsentieren. Derartige Zusammenkünfte finden regelmäßig in jährlichem Abstand statt.

Das übergreifende Thema lautete dieses Mal "Cross Cultural Exchange in the Byzantine World, c. 300-1500 A.D.". Im Fokus der Aufmerksamkeit standen demgemäß kulturelle Beziehungen und Beeinflussungen innerhalb der byzantinischen Welt sowie zwischen Byzanz und anderen Kulturen. Neben synchronen Kulturtransfers wurde darüber hinaus auch die Wissenstradierung über die Zeit hinweg betrachtet, etwa die Behandlung antiken Wissens im mittelalterlichen Byzanz. Wie Prof. Marc Lauxtermann in seinem Schlusswort bemerkte, sei die Konferenz an sich bereits ein Stück Kulturaustausch gewesen, wenn man bedenke, dass durch die Vortragenden und Teilnehmer insgesamt dreizehn Nationen in Oxford vertreten gewesen seien. Die Vortragenden bewegten sich fachlich unter anderem im Bereich der Geschichtswissenschaften, Archäologie, Philologie, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte.
 
Abb. 1: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Graduiertenkonferenz (Foto: Kirsty Stewart).

Der Konferenz ging am 26. Februar ein informelles Treffen der Teilnehmer voraus. Die Vorträge fanden an den folgenden beiden Tagen in der historischen Fakultät statt. Aufgrund der Vielzahl der Teilnehmer wurden jeweils zwei parallele Sektionen eingerichtet.

Der Freitag begann mit einem Abschnitt zur Baukultur in Byzanz, die sich Fragen der kulturellen Beeinflussung von Architektur und Innendekoration widmete. Dabei gingen die Referenten sowohl den Traditionen nach, die die byzantinische Baukultur beeinflussten, als auch den Wirkungen byzantinischer Stilistik auf andere Bauten, wie etwa die osmanischen des vierzehnten Jahrhunderts.

Fragen der Identität innerhalb und außerhalb des Reiches, die durch religiöse Fragen ebenso bestimmt waren, wie durch lokale Abhängigkeiten und wirtschaftliche Zusammenhänge, kamen ebenfalls zur Sprache. Dieses Bild wurde durch Untersuchungen zur Sicht der byzantinischen Quellen auf benachbarte Kulturen in Orient und Okzident erweitert. Umgekehrt interessierte auch die Perspektive lateinischer und armenischer Quellen auf Ostrom und seine Repräsentanten. Ein besonders interessantes Beispiel ist etwa der byzantinische General Tatikios, der sogar in die westliche ritterliche Heldendichtung des Mittelalters Eingang fand.

Die Vorträge verdeutlichten, dass Kulturkontakte sowohl in friedlicher als auch in kriegerischer Form stattfinden konnten. So fand in Zeiten direkter Konfrontation zwischen dem Oströmischen Reich und den expandierenden Arabern gleichzeitig der Transfer wissenschaftlicher wie literarischer Texte zwischen diesen beiden Kulturen statt. Diplomatische Unternehmungen, etwa zwischen dem Papsttum und dem Kaiserreich von Nicaea im dreizehnten Jahrhundert, oder auch Handelsabkommen der italienischen Seerepubliken mit Ostrom und später dem Osmanischen Reich, lassen sich ebenfalls unter dem Aspekt der Begegnung verschiedener Kulturen einordnen.

Das Fortleben antiker Motive und Inhalte, wie etwa die Darstellung Alexanders des Großen, die sich noch im mittelalterlichen Byzanz in der Kaiserrepräsentation findet, sowie die Alexanderliteratur insgesamt, die auch im Westen rezipiert und teilweise umgeformt wurde, zeigen die kontinuierliche Tradierung und Weiterverarbeitung älterer Vorstellungen und Bildwelten im Mittelalter.

Insgesamt bot die Konferenz ein sehr breites Spektrum an Themen aus dem Bereich der Forschung rund um den byzantinischen Kulturraum und darüber hinaus. Neben den eigentlichen Vorträgen bot die gemeinsam verbrachte Zeit zwischen und nach den Sektionen, zu denen auch ein gemeinsames Abendessen im ehrwürdigen Keble College gehörte, zahlreiche Gelegenheiten, sich mit Kollegen und anderen Promovenden auszutauschen und die Kontakte mit der Fachwelt zu festigen.
 
 
Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

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