Mittwoch, 18. Juni 2014

Dissertationsprojekt von Imke Fleuren: "Nicht-heimische Tiere im alten Ägypten"

Ein Beitrag von Sarah Prause.

"Nicht-heimisch"


Dem Terminus "nicht-heimisch" kommen in unterschiedlichen Fachrichtungen  beispielsweise in der Biologie, Ökologie oder Soziologie  verschiedene Definitionen zu, so dass von keiner einheitlichen Definition des Begriffes gesprochen werden kann.
Imke Fleuren wird sich in ihrer Dissertation nicht nur auf eine der in den Fachwissenschaften zu findenden Definitionen beziehen, sondern vielmehr aus den ihr zur Verfügung stehenden Vorstellungen über den Terminus verschiedene Aspekte herausarbeiten und kombinieren, die zur Identifizierung "nicht-heimischer" Tiere im Alten Ägypten dienen können.

Nicht-heimische Tiere und das Untersuchungsgebiet


Neben einer grundlegenden Begriffsdefinition, ist es für Frau Fleuren wichtig, das zu untersuchende geographische Gebiet klar zu definieren. Nicht zuletzt, da sich moderne Vorstellungen und Interpretationen über das Alte Ägypten von denen früherer Zeiten unterscheiden. Gemäß der alt-ägyptischen Vorstellungen vom ägyptischen Kernland konzentriert sich Imke Fleuren bei ihrer Untersuchung zunächst auf den geographischen Raum der Nil-Region. Sie betrachtet Tiere, die in der Nil-Region nicht ihren natürlichen Lebensraum hatten und beispielsweise durch Importe o. Ä. dorthin kamen. Zu diesen nicht-heimischen Tieren zählen etwa "Wüsten-Tiere" (d. h. Tiere, die in der Wüste nahe des Nil-Tals zu finden waren), wilde Tiere und domestizierte Tiere, die von anderen Kulturen nach Ägypten gebracht wurden.

Material


Um die verschiedenen Vorstellungen nicht-heimischer Tiere des Alten Ägyptens herausarbeiten zu können, untersucht Frau Fleuren zu Zeit das zooarchäologische Material des Nil-Tals und der umliegenden Wüstengebiete. Die von ihr zusammengestellten Daten (Tierarten, Lebensräume, chronologische Daten wie Lebenszeiträume etc.) stellen die Basis eines Corpus nicht-heimischer Tiere dar. Mit Hilfe des jeweiligen Fundkontextes sollen Hinweise auf mögliche Konzepte dieser Tiere erarbeitet werden. Als Beispiel gibt Imke Fleuren hierfür die wilden Tiere in Hierakonpolis (HK 29 und HK 6) und in Qantir und Tell el-Dab’a an.
Bezüglich der Ikonographie wird sie die sogenannte "Wüstenjagd-Szene" betrachten, in der Tiere in ihrer mehr oder weniger natürlichen Umwelt dargestellt werden, sowie "Tribut-Szenen", innerhalb derer Tiere bei ihrer "ersten" Einführung in das Land gezeigt werden. Weitere ikonographische Themen, wie beispielsweise Darstellungen von Prozessionen, Opfer- und Schlachtszenen sollen ebenfalls in die Untersuchung miteinbezogen werden. Auf diese Weise sollen Hinweise auf den Umgang mit eben diesen Tieren herausgearbeitet werden. Gerade in Bezug auf Beobachtungen zum Umgang mit den Tieren wird Imke Fleuren auch solche "lebensweltlichen" Darstellungen untersuchen, in denen etwa Affen oder aber Leoparden als Haustiere erscheinen. Interessant sind auch humoristische Darstellungen nicht-heimischer Tiere. So zum Beispiel in einem als satirisch zu bezeichnendem Papyrus, der sich im British Museum (EA 10016) befindet. Dort ist eine Szene zu sehen, in welcher ein Löwe und eine Gazelle gemeinsam das Senet-Spiel spielen.
Als weiterer Untersuchungsgegenstand dient das zur Verfügung stehende textliche Material. So vor allem die Verwendung verschiedener Tiernamen als Metaphern oder das Vorkommen nicht-heimischer Tiere in medizinischen, religiösen sowie humoristischen Texten oder aber innerhalb von Expeditions- und Militärschriften. Gerade hier erhofft sich Frau Fleuren weitere Vorstellungen über Konzepte nicht-heimischer Tiere im Alten Ägypten zu erhalten.

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